Vielleicht habt ihr schon von der Initiative „Apps für Deutschland” gehört, welches unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums des Innern steht. Die Grundidee ist löblich und die zu Grunde liegende Einsicht kommt vielleicht schon etwas spät:
„Behörden in Deutschland erheben, speichern und verarbeiten viele interessante Daten. Dazu gehören Wetterdaten ebenso wie Informationen über die Luftqualität oder über die Verwendung der Steuergelder. Diese Daten sind von öffentlichem Interesse und bergen ein großes Potenzial für unsere Gesellschaft, weil sie Transparenz, Beteiligung, Innovationen und neue Dienstleistungen fördern.”
(Quelle: apps4deutschland.de)
Dem stimme ich voll und ganz zu, aber was manche Regierungsstellen unter „Open Data” verstehen treibt mir dann doch die eine oder andere Träne in die Augen (ob aus Erheiterung oder Trauer sei der Fantasie des geneigten Lesers überlassen). Werden die Daten zwar unter einer Creative-Commons-Namensnennungs Lizenz freigegeben (liberaler, als die aktuelle OpenStreetMap-Lizenz, welche darüberhinaus die Weitergabe unter einer gleichwertigen Lizenz verlangt), eine Übernahme der Daten in OpenStreetMap (OSM) (lizenzrechtlich durchaus möglich) wurde aber -- mutmaßlich auf Anfrage eines Mappers -- ausdrücklich abgelehnt.
Hier werden also Daten unter einer liberalen Lizenz veröffentlicht, die Nutzung dann aber sogleich wieder eingeschränkt. Schade eigentlich, denn hier hätte sich eine unvergleichliche Chance geboten, sowohl den Datenbestand in OSM zu verbessern, als auch für amtliche Stellen aus Fehlermeldungen und Korrekturen der aktiven OSM-Community zu profitieren. Moment! Fehler in amtlichen Daten? Hier in Deutschland, in der das Statistische Bundesamt Buch über die Anzahl importierter Golfbälle führt? Ja!
Wer es einmal selbst sehen möchte, die OSM-Community hat eine Karte erstellt, auf der Fehler in den veröffentlichten amtlichen Geodaten eingetragen werden können. Ich habe mir einmal den Spaß erlaubt, mir einmal mein „Stamm-OSM-Gebiet”, den Düsseldorfer Süden um die Stadtteile Hellerhof und Garath anzusehen und die auffälligsten Fehler zu markieren. Es findet sich alles, über nicht mehr existierende Gebäude, inzwischen bebaute Freiflächen, entfernte Straßen, fälschlich als Straßen eingetragene Fußwege, fehlende Fuß- und Radwege, falsche Auszeichnung von Schulgeländen und einigem mehr. Einfach einmal ansehen und staunen, was an amtlichen Daten alles falsch sein kann. Zum Vergleich kann in der Kartenansicht auch direkt die freie Konkurrenz aus OSM eingeblendet werden.
Eine ähnliche Plattform um es auch Nicht-Mappern möglich zu machen, Fehler zu melden hat die OSM-Community im Übrigen auch für sich selbst geschaffen: OpenStreetBugs. Mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Dort gemeldete Fehler werden von den Mappern im Datenbestand korrigiert. Genau dieses Potential wurde aber für die amtlichen Daten verschenkt, indem OSM von der Nutzung ausgeschlossen wurde. Schade eigentlich.